Zoe Beck, C Anette Mayerhofer

10 Fragen — 20 Wörter

an und von Zoë Beck

 

 

  1. Du bist zweisprachig aufgewachsen, schreibst auf Deutsch, deine Bücher spielen – zumindest teilweise – in Großbritannien. Das hast du mit Elizabeth George, über die du deine Magisterarbeit geschrieben hast, gemeinsam, die als US-Amerikanerin ihre Werke ebenfalls in Großbritannien spielen lässt. Ist das für dich eine Verbindung deiner Zweisprachigkeit und warum schreibst du nicht auf Englisch?

 

Großbritannien ist ein Land, in dem soziale und politische Krisen sehr viel krasser sichtbar sind als in Deutschland. Die extremen sozialen Spannungen, die verzweifelten Kämpfe gegen die Politik Margaret Thatchers, die ständig drohenden IRA-Anschläge– das sind Dinge, die mich damals zu Schulzeiten sehr im Denken beeinflusst haben. Zu Studienzeiten schrieb ich tatsächlich auf Englisch, aber dann war ich ja wieder in Deutschland und schrieb meine ersten Bücher für einen deutschen Verlag. Gefragt war auch Deutschland als Schauplatz. Allerdings wollte man mich sanft wegbringen von inhaltlichen Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Problemen oder Politik, ein „netter“ Regionalkrimi passe doch viel eher in die Marktlandschaft. Das war vor gut zehn Jahren, und ich beschloss, inhaltlich weiter in die Richtung zu gehen, die mich interessierte, und das wiederum funktionierte am besten – meiner Meinung nach – mit dem Schauplatz Großbritannien. Es sollte ja auch ein Umfeld sein, das mir nicht fremd war, sondern mit dem ich mich auskannte. Und Deutsch ist meine erste Sprache und auch meine Zielsprache beim Übersetzen.

 

  1. Viele SchriftstellerInnen sagen, ihre Bücher würden auch einiges an autobiografischen Zügen enthalten. Wie ist das bei dir?

 

Nein. Ich beziehe mich sicherlich auch auf Dinge, die ich aus meiner Erfahrung heraus kenne, aber ich schreibe nicht autobiografisch.

 

  1. Du übersetzt englischsprachige Bücher ins Deutsche. Wo liegen da die Probleme und Stolperfallen?

 

Englisch ist eine weit unterschätzte Sprache. Sie ist so reich an idiomatischen Ausdrücken, und die unterscheiden sich je nach Region oder Gesellschaftsschicht oder Zeit gewaltig. Besonders schwer ist es, die Soziolekte ins Deutsche zu übertragen. Da geht bei Übersetzungen zwangsläufig sehr viel an Zwischentönen verloren.

 

  1. Würdest du deine eigenen Bücher aus dem Deutschen ins Englische übersetzen? Wenn nein, warum nicht?

 

Nein, ich übersetze nicht ins Englische. Das ist Muttersprachlern vorbehalten, und das bin ich nicht. Meine Zielsprache ist klar das Deutsche. Ich kenne einige Beispiele von Menschen, die glaubten, gut genug Englisch zu sprechen, um in diese Sprache zu übersetzen. Die lebten dort schon seit Jahrzehnten. Die Übersetzungen waren immer, wirklich immer nicht so recht brauchbar und mussten von Muttersprachlern überarbeitet bzw. komplett neu übersetzt werden. Mein Respekt gegenüber Sprachen ist da viel zu groß, ich weiß ja auch zum Beispiel, dass ich im Deutschen immer noch sehr viel lernen bzw. sprachlich an mir arbeiten kann.

 

  1. Du führst auch Regie bzw. schreibst die Dialoge für Synchronproduktionen. Das klingt verdammt anspruchsvoll. Wie geht es dir damit und welche Herausforderungen tauchen auf, an die man als Laie vielleicht gar nicht denkt?

 

Mir macht das sehr viel Spaß, und es ist auch immer wieder eine große Herausforderung. Ich lerne dabei sehr viel. Sprachwitze übersetzen ist oft die Hölle. Verschiedene Bedeutungsebenen übertragen (auch da sogar noch wichtiger das Problem der Soziolekte). Den Rhythmus des Originalsatzes beachten und so in der Übertragung anpassen, dass es noch irgendwie sinnvoll klingt. Und was mich persönlich wahnsinnig macht: Wörter/Sätze finden, die auf die entsprechenden Lippenbewegungen passen und trotzdem inhaltlich nichts entstellen und dann noch zur Figur und ihrer Sprechweise passen. Und wenn wir dann Wochen und Monate an so etwas geschraubt haben, muss ich mir immer von allen möglichen Leuten anhören: „Also ich schau ja NUR Originalfassungen.“  ;-)

 

  1. Du bist auch eine eifrige Bloggerin, schreibst über aktuelle und vor allem auch kontroverse Themen wie beispielsweise Frauenabteile im Zug. Wie sind die Reaktionen darauf, bzw. wie gehst du damit um, wenn der Gegenwind bösartig oder untergriffig wird?

 

Ich sollte mich langsam dran gewöhnt haben, habe ich aber nicht. Mich hauen die miesen Kommentare und die Drohungen immer noch um, und dann muss ich eine Runde an die Luft. Vor allem aber macht mich das alles wahnsinnig müde – dieser Hass, diese Ignoranz, dieser Unwille, wirklich zuzuhören, wirklich miteinander zu reden. Letztlich zeigt aber jeder einzelne Kommentar, jede einzelne E-Mail, in der ich beleidigt oder bedroht werde, wie nötig es ist, diese Themen weiter anzusprechen. Es gibt aber auch viel positives Feedback, und nicht wenige Menschen, die sich bedanken. Und, ganz wichtig, Menschen, die ich für diese Themen überhaupt erst sensibilisieren konnte.

 

  1. Du hast eine Krebserkrankung überstanden und dich danach in Zoe Beck umbenannt.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Namen Leute (oder Charaktere) beeinflussen. Hat sich bei dir durch die Namensänderung etwas verändert oder hat die Veränderung die Namensänderung nach sich gezogen?

 

Dem offiziellen Schritt gingen eigentlich schon Jahrzehnte der Unzufriedenheit voraus. Ich konnte mich mit meinem Vornamen nie anfreunden, und da hat es auch nicht geholfen, dass alle möglichen Leute immer sagten: „Aber der ist doch so schön!“ Für mich gehörte der Name zu einem anderen Menschen. Möglicherweise zu der Tochter, die sich meine Mutter gewünscht hätte. Ich stand mit ungefähr 20 zum ersten Mal beim Standesamt und wollte wissen, wie ich meinen Geburtsnamen loswerde. Zoë heißt „Leben“, aber ich hatte mich tatsächlich zuerst für den Namen entschieden und dann die Bedeutung nachgesehen. Passte dann natürlich wunderbar. Beck ist ein nordenglisches Wort für Bach, fließendes Wasser, das gefällt mir. Nordenglische Landschaften mit kleinen Flüsschen mag ich gern.

 

  1. Gemeinsam mit Jan Karsten hast du den Verlag CulturBooks gegründet. Ihr schreibt auf eurer Website, dass Ihr nur veröffentlicht, was euch gefällt. Ist das aber nicht immer so – muss ein Buch oder Text nicht immer den Verleger/die Verlegerin ansprechen, um angenommen zu werden? Oder meint ihr damit etwas anderes?

 

Sicherlich trifft das auf viele Verleger*innen zu, aber es gibt eben auch einen anderen Grund, warum bestimmte Titel gemacht werden: Texte werden nicht immer nur daraufhin geprüft, ob sie „gefallen“, sondern ob sie aktuell eine hohe Marktchance haben. Das ist nicht unbedingt dasselbe. Wir meinen damit: Das sind genau die Sachen, die wir selbst auch lesen wollen. Die finden wir so super, dass alle Menschen die Möglichkeit haben sollen, diese Texte zu lesen. Unabhängig davon, ob „der Markt“ gerade so etwas „will“ oder nicht. Diese Monokultur der Metoo-Produkte interessiert uns nicht. Das hat für uns nichts mit Literatur zu tun.

 

  1. Welches ist dein Lieblingsurlaubsland und warum?

 

Urlaub? Ich bin doch eh dauernd unterwegs. ;-)

 

  1. Du bist ja quasi ins Schreib-Business hinein gestoßen worden, von einer sehr guten Freundin, die dich dazu aufgefordert hat, doch mal was zu schreiben. Was, glaubst du, wärst du heute, wenn das nicht passiert wäre?

 

Ich habe keine Ahnung. Es ist passiert, wie vieles in meinem Leben einfach passiert ist. Sollte wohl so sein.

 

 

 

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Zoë Beck wurde 1975 als Henrike Heiland in Ehringshausen geboren. Sie wuchs zweisprachig (Deutsch, Englisch) auf und begann im Alter von 3 Jahren Klavier zu spielen. Es folgten zahlreiche Auftritte und vielfache Auszeichnungen bei Wettbewerben.

Nach dem Abitur studierte sie in Gießen, Bonn und Durham deutsche und englische Literatur und schloss ihr Studium mit einer Magisterarbeit über die Krimi-Autorin Elizabeth George ab. Anschließend arbeitete sie als Lektorin und TV-Produzentin bei der Kirch-Gruppe.

Seit 2004 ist Zoë Beck freie Autorin und auch als Verlegerin und Schriftstellerin tätig. Zunächst schrieb sie Drehbücher, unter anderem für das ZDF Kinderfernsehen sowie für den Disney Channel.

2007, nach einer überstandenen Krebserkrankung, benannte sie sich in Zoë Beck um.

2013 gründete sie gemeinsam mit Jan Karsten den E-Book-Verlag CulturBooks, der auf literarische Texte spezialisiert ist. Der Verlag ging hervor aus dem Online-Feuilleton Culturmag, für das beide immer noch regelmäßig schreiben.

Zoë Beck ist auch als literarische Übersetzerin und als Synchronregisseurin für Film und Fernsehen tätig. Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und hält auch Vorträge, unter anderem zum Thema Digitalisierung.

Auszeichnungen:

2010 Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte “Bester Kurzkrimi”.
2014 Krimipreis von Radio Bremen.
2016 Deutscher Krimipreis, National Platz 3, für “Schwarzblende”.

“Das zerbrochene Fenster” wurde von der Jury der KrimiZEITBestenliste unter die zehn besten Kriminalromane im September 2012 gewählt, “Brixton Hill” im Januar, Februar und März 2014, “Schwarzblende” im März, April, Mai und Juni 2015.

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Foto: Annette Maierhofer