Meine bisherigen Erfahrungen mit Yoga waren eher durchwachsen — wenn man es milde ausdrücken möchte.
Beim ersten Mal war es eine kleine alte Dame um die 70 oder mehr, die mir beim Kranich gezeigt hat, wo der Bartl den Most herholt, während es mich auf meinen glücklicherweise gut gepolsterten Hintern gesetzt hat (weil das Gleichgewicht und ich keine Freunde sind). Und das, obwohl ich frohgemut und im Überschwang meiner damals fast noch jugendlichen Präpotenz wie selbstverständlich davon ausgegangen bin, dass mein zu dieser Zeit supergut trainierter Körper kooperativ sein wird, wenn ich mir die Gliedmaßen um selbigen wickle.
Der zweite Anlauf war noch trauriger: mein damals nicht mehr ganz so gut trainierter Körper hat versucht, mich bei der Kerze (wie immer die auf Yogisch heißt) zuerst mit meiner etwas ausladenden Oberweite und danach, beim Versuch, die Füße neben die Ohren zu legen, mit meinem auch nicht schwachen Wamperl zu ersticken.

So ist gut nachzuvollziehen, dass, obwohl ich goschert und selbstsicher versprochen habe, mir die Yoga-Class im ganz.herzlich reinzuziehen, ich zwei Stunden vorher verzweifelt versuche, mir eine Ausrede einfallen zu lassen.
Die Lisa wäre aber nicht die Lisa, hätte sie nicht einen letzten Rest von Ehrgefühl im Leibe, den sie von Zeit zu Zeit Gassi führt.

Ich schleppe mich also redlich müde, in meinem von zu viel Arbeit und zu wenig Bewegung gezeichneten Körper in den achten Bezirk in die Strozzigasse. Dass ich die Station verpasse und dann auch noch verzweifelt die Gegensprechanlage absuche, bevor ich endlich das hübsche, hell erleuchtete Straßenlokal entdecke, spricht Bände über meinen jämmerlichen Zustand.

Noch einmal überlege ich kurz, ob es nicht doch ein Wink des Schicksals ist, dass sich das Lokal vor mir versteckt.
Dann jedoch gebe ich mir einen Ruck und öffne die Tür. Drinnen ist es ruhig, warm und einfach hübsch.
Ein Ort, der zum Verweilen einlädt.
Einige wenige Artikel, die man bei Bedarf erwerben kann, darunter Trinkflaschen, T-Shirts und Ohrenkerzen.
Ein Schreibtisch. Eine kleine Garderobe für Mäntel. Und freundliche Gesichter.
Die Begrüßung ist herzlich, Umarmungen sind an der Abendordnung. Man kennt sich, aber Fremde sind willkommen und werden liebevoll und ohne Tamtam integriert.
Ich habe noch immer Bedenken — die anderen sind wesentlich jünger und schauen alle so… so… FIT aus!
Aber Giulia hat mich schon an der Hand, zeigt mir die Räumlichkeiten, fragt mich nach meinen Wehwehchen, beruhigt mich.
„Es wird heute ganz gemütlich. Kein Schwitzen, nur Entspannung. Und wenn dir was zu viel wird, dann zeige ich immer auch eine einfachere Variante. Es gibt kein Muss, und nichts soll wehtun!“
Naja, was soll’s? Dann pack ich es eben!

Ich lasse mich im Hinterzimmer, in dem zehn Matten Seite an Seite liegen, nieder und schaue mich um.
Fenster in einen grünen Innenhof, im Zimmer eine Kerze, ein paar Utensilien, ein unauffälliges Regal für CD-Player und Co. Sonst herrscht hier die Reine Leere. Nachdem es draußen schon dunkel wird, ist das Licht im Raum angenehm gedämpft.

Ich bin gespannt, aber schon sehr beruhigt — zumal ich aus den Gesprächen heraushöre, dass auch andere körperliche Probleme haben.
So wie Giulia: „Ich habe selber zwei Bandscheibenvorfälle hinter mir, und ich weiß, dass man auch Yoga machen kann, wenn man nicht zu 100% fit ist — man kann fast jede Übung anpassen!“

Giulia vergewissert sich noch, dass jede (wir sind eine reine Frauengruppe) alles hat, das sie in den nächsten anderthalb Stunden braucht und dann geht es los.

Mit Atmen zunächst. Juhu, das kann ich! Das, was ich bisher über Atmen noch nicht wusste, wird in klaren Worten mit einer unglaublich angenehmen Stimme erklärt.
Dann: auf den Rücken legen. Juhu, auch das kann ich!
Langsam werden die Übungen etwas anspruchsvoller;
Giulia schafft es jedoch, jede einzelne davon so gut zu erklären, dass es nicht notwendig ist, ihr auf die Finger zu schauen.
Sie spricht, ich mache. Einfach.
Die Varianten der Übungen sind nicht immer so einfach, aber das ist auch gut so — ich brauche schließlich Luft nach oben!

Wir üben Vinyasa Flow, kombiniert mit ein wenig Yin Yoga, und es ist einfach schön.
Als wir uns zur letzten Entspannungsübung auf die Matten legen, kann ich fast nicht glauben, dass 90 Minuten um sind.

Und kaum bin ich nach einem ganz schönen Stück Fußweg zu Hause angekommen, bin ich schon im Internet und buche meine nächste Stunde.
Next time – same station.
Und auf jeden Fall same trainer.

Giulia, wir sehen uns von nun an jeden Mittwoch – bis dass der Tod mich dahinrafft!
Was, dank Yoga, nun doch noch eine Weile länger dauern könnte….

 

 

giuliatamiazzo
Giulia Tamiazzo
0650 8613635
giulia.tamiazzo@gmail.com

Zu finden bei

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