Toleranz ist was für Anfänger

Vor langer Zeit hat einmal ein kluger Mensch zu mir gesagt, Toleranz sei eigentlich eine Form der Anmaßung.
Denn Toleranz setze voraus, dass man sich das Recht herausnehme, einen anderen zu beurteilen.

Ich habe lang und immer wieder meine eigene Meinung zum dem Thema hinterfragt und irgendwann festgestellt, dass man, wenn man die Menschen im Großen und Ganzen so nimmt wie sie sind, sich Toleranz erspart.
Ist Toleranz also etwas für Anfänger?

Ja, so könnte man sagen.
Ich bin selber in so viele Schubladen gesteckt und widerwillig wieder herausgeholt worden, dass ich manchmal Ladenkoller hatte.
Und ich finde es immer ein wenig seltsam, wenn mit jemand erzählt, er oder sie kenne auch „so jemanden“ wie mich.

Wie jetzt?
Blond, mit einem Graustich?
Leicht überwutzelt?
Jeansträgerin?

Hmmm …
Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich in der glücklichen Lage befinde, dass die meisten Menschen, die ich kenne, mich so nehmen wie ich bin, in allen meinen bunten Facetten – und viele wagen es, nachdem sie meine Farben sehen durften, ihre eigenen zu zeigen.
Und die sind selten grau oder langweilig.
Die meisten verstecken nur ihre wunderschöne Buntheit unter einem langweiligen grauen Gefieder, um nicht verurteilt zu werden.

„Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“, hat ein anderer kluger Mann gesagt, gerüchteweise.

Guter Ansatz.
Und haben wir nicht alle unsere Macken, Klamsche, Dachschäden, Eigenheiten, Andersartigkeiten?

Wie können wir uns dann über jemanden stellen, der „anders“ ist?
Wir sind alle „anders“!

Und das ist gut so!
Jetzt müssen wir nur noch lernen, unsere Farben nicht mehr zu verstecken.
Damit die sich Welt bald so bunt zeigen kann wie sie wirklich ist!

In diese Sinne, einen entspannten Tag der Toleranz!