Color Obstacle Rush Wien 2016-3

„Da gibt es was, das euren kindlichen Gemütern entsprechen müsste!“, mit diesen oder ähnlichen Worten hat uns eine besonders liebe Freundin einen Link gesandt. „Und wir würden euch natürlich Gesellschaft leisten!“

Color Obstacle Rush.

Klingt lässig. Also, nichts wie anmelden!
Unsere Freundin übernimmt das Kommando, meldet an, bestellt T-Shirts, sammelt Geld ein.
Und schafft es, dass wir alle das Wesentliche übersehen: dass wir dort laufen müssen!

Lisa, seit einer Operation Meisterin im Schweinsgalopp und Moni, ihres Zeichens Sprintprofi, aber für Langstrecken eher nicht konstruiert.
Der Kater und der Fisch waren schlau genug, sich von Anfang an draußen zu halten.

Wir tönen fröhlich herum, wie sehr wir uns drauf freuen — in Wirklichkeit aber rennen die kleinen Rädchen im Hinterkopf auf Hochtouren:
wie können wir uns drücken?
Langer Rede kurzer Sinn: gar nicht.

Dass an diesem Tag auch der Wien-Marathon stattfindet, regt uns zu Scherzen an, aber keineswegs zum Nachdenken.
„Die Strecke geht ja ganz wo anders, wie soll uns der Marathon auf dem Weg nach Ebreichsdorf (Magna Racino) behindern?“
Also fahren wir frischfröhlich eine Stunde vor unserem Starttermin los, über den Gürtel — bis wir nicht mehr fahren. Sondern stehen.

„Sch… Marathon!“, tönt es vom Rücksitz. Start beim Schloss Schönbrunn. Wer hätte das bedacht?
Wir auf jeden Fall nicht, wir lassen uns aber nicht davon abbringen, unser Ziel anzusteuern. Dank einer nervigen findigen Beifahrerin mit Koffeinüberdosis, einigen mehr oder weniger hilfreichen Bemerkungen aus dem Fonds, der tatkräftigen Hilfe eines Freundes vor Ort, der uns ein Live-Update verpasst (samt der relevanten Info, dass der Start wegen der heftigen Windböen verschoben wird) und einer hochgradig grantigen Lenkerin (ich nenne hier keine Namen!) führt uns unsere Route über die Ameisbachgasse, die Wienzeile, die Maxingstraße und irgendwann auf die ersehnte Südautobahn.
„Die Obstacln hätt‘ ma schon“, tönt es von der Rückbank, gefolgt von einem vorsichtigen Kichern, denn die Luft im Auto ist phasenweise etwas dick.

Auf der Höhe von Schönbrunn überlegen wir kurz, ob nicht ein Besuch im Zoo und ein Kaffee am Platzl auch eine Alternative wären, schließlich siegt aber der Sportsgeist. Unseren Mann vor Ort sehen wir schon aus der Entfernung: er schwenkt ein Bein und weist uns in einen Parkplatz ein, den er vorausschauender Weise für uns elegant blockiert hat.
Und dann kommt die Frage: „Und warum seid’s net über die Nordbrücke gefahren?“
Schluck. Weil wir dran nicht gedacht haben? Alle?

Die Haare auf unseren Armen raufen um die Stehplätze, während wir zur Anmeldung gehen, die überraschend flott erledigt ist. Ein Bändchen ums Handgelenk, und schon dürfen wir in den inneren Bereich, wo die Klos etwas dichter gesät sind und die Musi‘ spielt, im wahrsten Sinne des Wortes. Hier gibt es Aufwärmtraining. Was bei den eisigen Temperaturen auch dringend nötig ist, aber nur von manchen unserer 6er Gruppe goutiert wird.

Dann endlich, endlich, der Aufruf zum Start
In Gruppen werden die Läufer losgelassen. Ich (Lisa) frage mich ein letztes Mal, was zum Teufel ich da mache. Ich hebe den Altersschnitt der geschätzten 1000 Teilnehmer um die Hälfte, kann nicht wirklich laufen und frage mich, wie ich mit meinen Bürohufen mit den flotten Kids mithalten (oder wenigstens halbwegs über die Hindernisse kommen) soll. Aber wurscht— mitgefangen, mitgehangen.
Und dann ist es soweit. Unsere Gruppe läuft los. Die erste Luftburg genau vor meiner Nase. Irgendwie wurschtl ich mich rauf, versuche gar nicht erst aufzustehen. Irgendein Übermütiger purzelt über mich drüber, schafft es aber, mich nicht einmal wirklich zu berühren.

Und los geht es im Schweinsgalopp, oben drüber, unten durch.
Manche Hindernisse haben leider dem Wind nicht standgehalten, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch.
Inzwischen bin ich zum gemütlichen Schritt übergegangen, viele Kids ebenso. Sehr beruhigend!
Bunt sind wir inzwischen schon alle, aber leider hält die Farbe nicht so gut wie ich gehofft hatte.
Bis zur jeweils nächsten Station ist meist schon wieder alles weg – außer auf Monis Nase. Die ist links ein Schlumpf (türkis), rechts eine Rumbutt’n (violett).
Wir gehen / laufen / röcheln dort, wo normalerweise die Pferde unterwegs sind, allerdings in Schlangenlinien.
Hin — zurück, dann nochmal hin.

Und dann sehe ich sie. Die Rutsche!
Ich gestehe, da waren Hindernisse, die ich umgehen musste. Weil die Fitness doch nicht ganz gereicht hat. Oder die Kraft in den Haxen. Oder das Selbstvertrauen. Aber die Rutsche! Die muss ich machen! Noch wenige Meter, dann werde ich…

… leider nichts.  Noch nicht. Die Ordnerinnen lächeln mir mitleidig zu. Eine Runde noch, dann aber!
Also, nochmal robben, klettern, wutzeln …

Einige laufen an uns vorüber, andere werden von uns überholt.
Ein Ordner gibt mir ein High-Five. Und immer wieder: Farbe. Aus Flaschen, in Pulverform. Großzügig über uns verschüttet.

Und dann ist sie endlich da. Die Rutsche. Mit 5 Spuren nebeneinander.
Mein Team hat mir schon die einfachste Spur ausgesucht, bis ich dort bin.
Ich will da rauf!
Ich schnappe mir das Seil und ziehe los. Ein Fuß nach dem anderen.
Dann nur noch einer. Der andere hat ausgelassen. Mir wurscht, rauf will ich.
Irgendwann höre ich es hinter mir klatschen und skandieren.
Die klatschen mich ein! Gänsehaut! Ich ziehe nochmal ordentlich, die Unterstützung trägt mich auf den Gipfel.
Geschafft! Am liebsten würde ich mich umdrehen und winken, aber ich befürchte, dass ich dann die falsche Seite runter nehme.

Das Stück bis zum letzten Hindernis ist unser Team wieder vereint. Ich bin irgendwie gerührt, auf so eine Altweiber-Art, die mich schon seit meiner Kindheit immer wieder mal überfällt, mit Tränchen im Knopfloch und so.
Und dann ist es geschafft. Noch einmal drüberwutzeln, dann ein Hurra von den Zuschauern, eine Medaille, deren Band seltsam an den Marathon erinnert und als Geschenk ein Packerl Farbe.
„Pink, wenn ich bitten darf!“
Der junge Mann kommt meinem Wunsch freundlich nach.

Die Stimmung ist gut, kalt ist es auch nicht mehr. Es gibt ein paar kleine Verletzungen, vor allem Brandwunden, ein paar steife Gelenke und den festen Vorsatz, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.

„Aber dann wird vorher trainiert!“