10 Fragen – 20 Wörter

 

an und von Lisa Fox
Wiener Autorin, Steiramadl und große Plaudertasche (das mit den 10 Fragen stimmt, die 20 Wörter pro Antwort haben nicht geklappt)

 

  1. Lisa, du hast bereits zwei andere Bücher – „Wiener Schlampengeschichten: Stories und Begebenheiten aus dem horizontalen Gewerbe“ und „Neumeiers Fall (Wiener Blutbad)“ – geschrieben, jetzt gibt es „Küssen kostet extra – Neue Wiener Schlampengeschichten“. In allen drei Büchern sind die Protagonistinnen im horizontalen Gewerbe tätig. Wieso? 

Man soll ja immer über etwas schreiben, von dem man eine Ahnung hat – oder? ;-)
Im Ernst: ich habe in früheren Jahren durch einige glückliche Umstände die Möglichkeit gehabt, Einblick in das Leben von Callgirls, Massagedamen und auch Stripperinnen zu bekommen und dabei festgestellt, dass viele dieser Damen nicht dem üblichen Klischee entsprechen, das sich der Normalverbraucher und / oder Kronenzeitungleser so gerne bastelt.
Viele dieser Frauen waren sehr gebildet, manche hatte sogar einen akademischen Abschluss. Und nicht alle waren jung. Das hat mich, glaube ich, am meisten fasziniert. Dass es durchaus in einem höheren Alter noch möglich ist, dieser Profession nachzugehen. Und damit Geld zu verdienen. Dass es in Österreich sogar einen Markt für „sexy Omis“ gibt.
Daher hatte ich das Bedürfnis, die Erzählungen und Erlebnisse der Frauen (es waren übrigens wirklich vier, die den Großteil der Geschichten für das Buch geliefert haben) auch anderen zugänglich zu machen. Das waren die „Schlampengeschichten“. Und nachdem die Leserschaft Gefallen an dem Thema gefunden hatte, ist der Krimi „Neumeiers Fall“ fast von selber entstanden.

 

  1. Es gibt ja immer wieder Stimmen, dass deine Schlampengeschichten absolut nicht realistisch sind. Unter anderem auch deswegen, weil du die Erlebnisse deiner Protagonistinnen sehr lustig beschreibst und manche meinen, dass so ein Job doch einfach keinen Spaß machen kann. Was möchtest du diesen Menschen sagen? 

Nur einen Satz: man sollte über niemanden urteilen, bevor man nicht in seinen High Heels gestanden hat. In jeder Hinsicht.

 

  1. Was hältst du überhaupt davon, wenn Nicht-Betroffene meinen, über die Probleme und das Leiden von Sexworkerinnen bestens Bescheid zu wissen und mit ihrem Tatendrang, den Frauen zu helfen, letztendlich weit übers Ziel hinaus schießen? 

Diese Nicht-Betroffenen sollten für sich selber einmal hinterfragen, was diesen Drang zu „helfen“ auslöst. Sie richten damit unter Umständen mehr Schaden an als Nutzen. Speziell, wenn es, wie vor kurzem geschehen, passiert, dass eine möglicherweise durchaus wohlwollende Gruppe Frauen die Adressen von SexworkerInnen in Deutschland in einer Google Map einzeichnet und veröffentlicht. Für mich ist das Hexenjagd par excellence, egal wie gut es vielleicht gemeint sein mag. Wobei ich den Nutzen dieser Aktion – außer dass ZornbürgerInnen die Möglichkeit haben, den Frauen und deren Kindern Schaden zuzufügen – nicht sehe.
Und man sollte sich überlegen, wen man mitleidig anschaut. Denn oftmals ist vieles anders als es auf den ersten Blick scheint.
Vielleicht wäre eine Hilfe für die Frauen, die unglücklich in einer Ehe gefangen sind, eher willkommen und angebracht als die sogenannte Hilfe für Frauen, die sich oftmals frei für einen Beruf entscheiden, der abseits des gesellschaftlich Anerkannten liegt.
Und man sollte sich fragen, warum monogame Prostitution nicht geächtet ist (also die Heirat mit einem Mann, an dem eigentlich nur das Geld gefällt) und ehrliche Prostitution so ein Problem ist für viele. Geht es da wirklich nur um die Moral oder sitzen die Gründe tiefer(sic!)?
Sinnvoll wäre es, SexworkerInnen die Möglichkeit zu geben, ihr Gewerbe in aller Ernsthaftigkeit so auszuüben wie jeden anderen Beruf auch. Mit Sozialversicherung, Anmeldung und einem Gewerbeschein. Ohne den verruchten verschämten Rotlichttouch.

 

  1. Da blubbb – die Kommunikationswerkstatt das Vergnügen und die Ehre hat, dich auf deinem kreativen Weg zu begleiten: wie bist du auf uns gestoßen und warum hast du dich für uns entschieden? 

Ich wollte Kooperationspartner, die offen sind und nicht verurteilen.
Und in deren Hände ich die gesamte Organisation legen kann.
Dass die Webseite in sensationellen 4 Tagen fertig war und genau meinem Geschmack entspricht, ist ein zusätzlicher Bonus.
Mir ist es wichtig, als Autorin und Geschäftsfrau ernst genommen zu werden und das ist bei euch gegeben.
Ich überlege auch, blubbb den Auftrag für die Übersetzung des Krimis ins Englische zu erteilen. Mal sehen, time will tell …

 

  1. Nun zu deinem Privatleben – du schreibst, du wohnst mit einer Katze und „Antje“ zusammen, mit letzterer seit vielen Jahren. Antje gibt’s also wirklich. Ist sie so wie in „Neumeiers Fall“? 

Ja, in Neumeiers Fall finden sich einige Details aus dem Leben der Lisa Fox wieder. Welche, das bleibt mein Geheimnis.
Was Antje betrifft, sie hat eine andere Geschichte – ebenso wie Leonie – und bis auf die Sommersprossen auch sonst keine Ähnlichkeit mit „meiner echten“ Antje. Ansonsten jedoch gibt es durchaus Züge an dem Müsli aus Amsterdam, die sich mit der realen Person überschneiden. Mehr sage ich hierzu nicht, sonst bekomme ich Ärger! (hihi)

 

  1. Leonie scheint dir ja, was das Aussehen betrifft, sehr zu ähneln. Wieso sieht die Antje in deinem Buch nicht aus wie die Antje in deinem Leben? Erzähl schon, es bleibt ja unter uns! 

Jaaaaaa … das ist eine andere Geschichte. „Meine“ Antje war ja auch nicht gerade single, als ich sie kennen gelernt habe. Wobei ihr damaliger Lebensgefährte (mit dem mich heute ein fast brüderliches Verhältnis verbindet) unsere Liaison zwar nicht lustig gefunden, aber mit Anstand getragen hat. Andererseits hatte mein nicht-holländisches Müsli aber ein G’spusi mit einer Dame, die meine Existenz weniger goutiert hat. Um allfälligen Keilereien aus dem Weg zu gehen, habe ich daher aus einer eher bodennahen dunkelhaarigen Schönheit ein schlaksiges langes Elend aus Amsterdam gemacht – und mich zusätzlich bei ihrem Beruf mehr als kreativ ausgetobt.

 

  1. Wie wird man eigentlich vom Landei zur kreativen Wiener Rampensau? 

Hmmm… das frage ich mich manchmal auch.
Wobei es leicht sein kann, dass ich in den nächsten Jahren zum kreativen Landei werde ….

 

  1. Was machst du sonst so, wenn du nicht gerade Bücher schreibst oder Briochekipferl in deinem Nespresso ertränkst? 

Ich sehe mittlerweile davon ab, Briochekipferl zu ertränken – die Population muss sich erst wieder vom Kahlfrass der letzten Jahre erholen!
Was ich sonst noch mache, ist nicht leicht zu erklären. Die meiste Zeit ergebe ich mich meinem massiven Hirnfeuerwerk und mache alles gleichzeitig: schreiben, lesen, am Computer arbeiten … was leider im Zeitplan der letzten Monate nicht einkalkuliert war, ist regelmäßiges Training. Daher kommt’s dick bei der Lesung. *gg*
Ich bin gerade wieder dabei, auch gesundes Zeug wie Training oder in der Sonne sitzen und wandern in meinem Leben unterzubringen.

 

  1. Wann ist mit deinem nächsten Buch zu rechnen?
    Schreibst du bereits dran und werden es wieder Schlampengeschichten sein?
     

Das nächste Buch wird der zweite Krimi, und ich kann  nur hoffen, dass sich alle anderen drüber auch so amüsieren können wie Antje und ich. Eigentlich ist er schon fertig. Eigentlich …. aber, wie das so ist, wird es wohl noch über den Sommer dauern, bis ich ihn reinen Gewissens meinem Verleger vorlegen kann.

 

  1. Wie und wo kann man deine Bücher kaufen? Und kann man dich auch persönlich kennen lernen? 

Man kann meine Bücher entweder direkt bei mir per Mail bestellen oder über meine Webseite. Aber am liebsten wäre es mir, wenn sie persönlich bei der Präsentation oder einer der folgenden Lesungen abgeholt würden. Und jaaaa, man kann mich persönlich kennen lernen, und zwar bei genau den oben genannten Gelegenheiten. Die Präsentation wird am 17.6. in der Schwelle7 stattfinden. Ich freu mich schon riesig – obwohl ich ein bisschen nervös bin. Immerhin ist der letzte Auftritt der „Rampensau“ fast 10 Jahre her…

 

Nächste Lesung: 17. Juni 2016 in der Schwelle7

Tellgasse 25, 1150 Wien
19 Uhr

Eintritt kostenlos

Weitere Infos findest du hier

 

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Lisa FOX aka lorelay

Geboren? Ja — definitiv!
Aufgewachsen in einer Kleinstadt auf dem Lande.
Nach der Matura und dann gleich noch einer Fachmatura ins Leben gesprungen.
Mit beiden Beinen.
Und dort noch immer verweilend.
Und noch immer springend — mittlerweile allerdings eher im Kopf, da die Schwerkraft das ihre tut.
Denkerin, Planerin, Verrückte.
Manisch schreibend, exzessiv lebend, voller Ideen und Flausen im Kopf.

Mitbewohnerin einer Katze, seit mittlerweile (hmmm … wie vielen? Vielen!) Jahren mit „Antje“ glücklich.
Trinkt noch immer Nespresso (aber mit schlechtem sozialem Gewissen).
Liebt immer noch Briochekipferl (Höööörnschön, für unsere deutschen Mitleser).

Nachtaktiv.
Und immer noch eine Rampensau.

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