Einen  wunderschönen guten Morgen wünsche ich Ihnen. Ich bin’s, Sir Bert Blubb, Fisch von Erlach. Oder auch einfach nur: der Fisch. Lange haben Sie nichts von mir gelesen, ich war sehr beschäftigt – mit Schwimmen, wenn Sie’s unbedingt wissen wollen. Ein Fisch muss ja in Form bleiben.

Heute aber kann ich mit meinem zweiten Blog aufwarten. Denn es gibt einen Grund dafür, einen wirklich guten Grund: heute ist der internationale Tag gegen Homophobie (ich könnte gleich das Wort „Homophobie“ auch diskutieren, aber das würde zu weit führen. Das heb ich mir für ein anderes Mal auf, wenn mir das Herumschwimmen mal wieder zu langweilig wird).

Sie werden sich vielleicht fragen, was das nun mit mir zu tun hat. Haben Sie schon meine Rückenflosse gesehen? Na eben.

Ein Gentleman der alten Schule

Wie Sie in meiner Vorstellung auf der blubbb Webseite lesen können, bin ich nicht nur ein Gentleman der alten Schule, sondern auch ein Feingeist (oder Freigeist, je nachdem) und Menschenfreund. Mir bleibt also gar nichts anderes übrig als dafür einzustehen, dass Mensch Mensch ist und Fisch Fisch und in letzter Konsequenz eben Liebe Liebe, egal wen man liebt. (Anmerkung: nur damit es klar ist – ich beziehe mich hier ausschließlich auf die Liebe unter mündigen erwachsenen Menschen und Fischen. Nicht gemischt, bittschön. Muss man ja dazu sagen, sonst kommt gleich wieder einer mit Schafen und Kindern daher.)

Nun wird es einige geben, die meinen: geh bitte, nicht schon wieder. Warum muss man mit seiner Sexualität hausieren gehen? Interessiert mich doch nicht, was andere im Schlafzimmer machen.

Sex nur im Schlafzimmer?

Abgesehen davon, dass Sex auch bei Ihnen hoffentlich nicht nur im Schlafzimmer stattfindet, muss ich folgendes entgegnen: Hier geht’s gar nicht um Sex. Es geht um Liebe. Um Partnerschaften. Um Beziehungen. Und darum, sich zu seinem Partner auch in der Öffentlichkeit bekennen zu können.

Tun Sie ja auch, oder? Wenn Sie eine mit einem Mann verheiratete Frau sind, würden Sie ihn doch auch nicht verleugnen. Vielleicht binden Sie es nicht jedem gleich auf die Nase, dass Sie verheiratet sind. Aber wenn wer fragt, werden Sie doch eine ehrliche Antwort geben.

Und dann würden Sie ziemlich verdattert schauen, wenn die Reaktion Ihres Gegenüber ist: Na aber bitte, Frau Müller, was Sie im Schlafzimmer machen, interessiert mich nun wirklich nicht.

(Kleine Anmerkung am Rande: Wenn Sie Kinder haben, weiß ich genau, was sich in Ihrem Schlafzimmer abspielt oder zumindest in der Vergangenheit abgespielt hat. Aber verurteile ich Sie deswegen? Nein.)

Und nichts anderes ist es, wenn ein Mann sagt, er hat einen Lebenspartner, und eine Frau, dass sie eine Freundin oder Frau hat. Eigentlich nicht so schwer zu verstehen, sollte man meinen. Trotzdem gibt es nach wie vor Menschen, die damit ein Problem haben. Auch wenn man beteuert, dass man doch eh nichts gegen Homosexualität hat, solange man damit nur nicht belästigt wird – entschuldigen Sie bitte, wenn ich’s so sag, aber auch das ist homophob.

Kann denn Liebe Sünde sein?

Denn, wie schon erwähnt, es geht hier nicht um Sex, sondern um eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Und so frage ich Sie: Kann denn Liebe schlecht sein?

Was genau die beim Sex machen oder ob sie überhaupt (noch) Sex haben, ist ein ganz anderes Thema. Sie können (möchten) es sich vielleicht nicht vorstellen, aber der Sex ist nicht in allen homosexuellen Beziehungen gleich.

Vielleicht liegt die Wurzel allen Übels darin, dass manche Menschen sich viel zu viel darüber den Kopf zerbrechen, was andere machen, wie andere leben. Weil sie vielleicht sehr klare – zu klare – Vorstellungen haben, wie man zu leben hat, wie man sein muss, was man tut und wie man es tut. Das Problem findet man natürlich in vielen Bereichen, nicht nur bei homo- und heterosexuellen Beziehungsgeflechten.

Aber warum ist das so? Betrifft es mich wirklich, wenn der Nachbar einen Freund hat und keine Freundin oder wenn die Bäckerin ums Eck sich in eine Frau verliebt? Ändert das etwas an meinem Leben oder gar an mir? Nein. Natürlich nicht.

Religion und Sex

Vielleicht sind Sie religiös und da passt Homosexualität gar nicht in Ihr Bild. Muss es auch nicht – oder fühlen Sie sich gezwungen, nun ebenfalls in einer homosexuellen Beziehung zu leben? Nein? Na eben. Was hat also die Beziehung anderer Menschen mit Ihrer Religion zu tun? Genau. Nichts!

Niemand nimmt Ihnen etwas weg – weder Ihr Glück, noch Ihr Leben oder Ihre Religion. Ihre eigene Beziehung zum Ehemann oder zur Ehefrau leidet hoffentlich auch nicht darunter. Falls doch, sollten Sie sich fragen, warum das so ist.

Meine Devise lautet ja leben und leben lassen. Das halte ich selbst bei großen Fischen so, also jenen, die mich sofort verspeisen würden, wenn sie könnten. Solange sie mich nicht fressen wollen, sollen sie machen was sie wollen. Das gilt übrigens auch für den Kater…

In diesem Sinne: Homosexuelle Beziehungen sind nicht nur Privatsache, wie manche gerne sagen. Oder anders gesagt: Sie sind genauso sehr und genauso wenig privat wie heterosexuelle Beziehungen.

Und falls ich’s noch nicht gesagt habe: LOVE IS LOVE.

Herzlichst, Ihr Sir Bert Blubb, Fisch von Erlach