dorian bonelli female to what the fuck you tube

Ich gebe zu, ich wollte den Film „Female to What the Fuck“ vor allem deswegen sehen, weil wir einen der Protagonisten persönlich kennen. Sonst hätte ich mir den Film wohl eher nicht angesehen, denn mich hat der Titel schon sehr verwirrt: was heißt „ … to what the fuck“?

Und dann ein Teil der Beschreibung: Der dokumentarische Film FtWTF setzt sich in präziser Weise mit dem Thema der Geschlechtertransgression auseinander, wobei die Überschreitung der Geschlechtergrenze jeweils dieselbe Richtung nimmt: aus einem bestimmten Startpunkt (weiblich/Frau) zu einem vorläufig offenen Zielpunkt („was auch immer – what the fuck“).

Wie jetzt? Wenn ich kein Weiberl sein will, was soll ich denn sonst sein wollen außer ein Manderl?

Das hab ich genauso wenig verstanden wie die Diskussion um die binären Geschlechter und was daran „schlecht“ ist.

Wegen Dorian also, mit dem wir demnächst ein Interview machen dürfen, haben wir uns auf den Weg zum Top-Kino gemacht. „Kenn ich eh“, dachte ich mir, als wir dann davor standen. Also vom Vorbeigehen. Nur hatte ich es immer als Lokal wahrgenommen und nicht als Kino. Was daran liegt, dass dem Kino ein riesiges Lokal mit riesigem Gastgarten sowie toller Speisekarte und ebenso tollen Getränken angeschlossen ist.

Ein absolut geniales Konzept und vermutlich eine der wenigen Möglichkeiten, ein altes Kino zu retten. Die meisten anderen mussten ja in den vergangen Jahren oder Jahrzehnten zusperren, was ich persönlich sehr bedauere, denn ich mochte z.B. auch den 70er Jahre-Charme des alten Kinos auf der Landstraße sehr.

Im Top-Kino jedenfalls ist alles unkompliziert: die Getränke, die man sich im Lokal kauft, kann man einfach ins Kino mitnehmen; Karten reservieren funktioniert einfach mit dem Namen und nicht mit einem 12-stelligen Geheimcode mit Buchstaben und mystischen Handzeichen; und, last but not least, die Herren an der Kinokasse waren nicht nur sehr freundlich, sondern überaus charmant, als sie mich nach einem Studentenausweis fragten. Ich antwortete, den hätte ich schon, aber ich wäre wohl schon zu alt für den Studentenrabatt. Nichts da, meinten sie, nur der Studentenausweis dürfe nicht alt sein. Der Rest sei egal. Schon alleine dafür komme ich wieder, denn wenn man auf die 40 zugeht, ist es wie Balsam auf der alten geschundenen Seele, ein Studententicket zu bekommen (und das nicht wegen des geringeren Preises).

So, was wollte ich eigentlich erzählen? Ach ja, der Film. Er hat mich berührt, gerührt und zum Nachdenken gebracht. Über mich und mein eigenes Bedürfnis, alles und jeden in eine Schublade zu stecken, damit ich die Personen besser ein- und zuordnen kann. Über Männlichkeit und Weiblichkeit und darüber, dass auch Geschlechter, so wie alles auf der Welt, nicht schwarz-weiß sind, sondern bunt in allen Schattierungen.

Und ich erinnerte mich an damals, als ich 11 oder 12 Jahre alt und einen Sommer lang Markus war. Markus, der die Erwachsenen verwirrte und in Verlegenheit brachte und die Nachbarmädels beeindruckte. Markus, dem das total getaugt hat, von den Mädels angehimmelt zu werden. Der damals ein wichtiger Teil von mir war und doch nach diesem Sommer wieder verschwunden ist.

Auf Nimmerwiedersehen. Zumindest äußerlich. Ich fand’s plötzlich gar nimmer lustig, wenn jemand dachte, ich wär ein Bursch und ließ mir die Haare wachsen. Ich war dann auch ganz brav in heterosexuellen Beziehungen, auch wenn mein Herz meistens nicht (nur) in der vorhandenen Beziehung, sondern bei irgendeinem Girl Crush war. Aber irgendwo im Hintergrund war Markus trotzdem.

Und so ähnlich geht’s den Protagonisten in dem Film. Als Frau geboren, aber nicht nur weiblich in ihrem Gefühl, sondern eben auch männlich. Oder mehr männlich als weiblich. Vielleicht auch nur männlich. Oder es ändert sich. Hin und her – what the fuck.

Ich konnte ja mit der Bezeichnung genderfluid – trotz Ruby Rose – bisher nicht viel anfangen. Zu theoretisch war mir die Bezeichnung, nicht wirklich nachvollziehbar für mich. Aber jetzt verstehe ich es und ich bin froh darüber.

Wir alle haben männliche und weibliche Anteile in uns. Und warum sollten wir einen Anteil unterdrücken, nur weil wir körperlich in ein Geschlecht hinein geboren wurden? Und natürlich gibt’s da zig Abstufungen – manche sind transgender und ziehen die Transition bis zum letzten Detail durch, manche sind eben genderfluid, manche mögen ihren angeborenen Körper gar nicht, manche mögen Teile davon nicht, und manche, so wie ich, fühlen sich im eigenen Geschlecht und Körper sehr wohl und würden daran auch nichts ändern wollen (gut, ein paar Kilo weniger fände ich schon sehr fein), aber haben trotzdem auch (viele) Anteile vom anderen Geschlecht.

Ich möchte mich für diesen Film bedanken. Dafür, dass er mir viel zum Nachdenken gebracht und zumindest einige meiner Schubladen in Luft aufgelöst hat. Auch dafür, dass ich einen Teil von mir wieder gefunden hab, dass ich mich jetzt besser verstehen kann.

Ich möchte mich aber auch entschuldigen: dass ich euch diesen Blog und somit die Möglichkeit, euch den Film im Top-Kino anzusehen, bis jetzt vorenthalten habe. Mea culpa!

 

Weitere Infos:

Female to What the Fuck – ein Film von Katharina Lampert und Cordula Thym

http://www.ftwtf.net

www.topkino.at