Bernahrd von Purr beim Arbeiten

Liebe Mitschnurrer,

ich bin ja bekanntlich ein robustes Stück Kater, das von nichts und niemandem aus der Bahn zu werfen ist.
Doch manchmal erwischt es auch mich.
So geschehen im Spätherbst letzten Jahres. Das letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass ich auf dem Schoß meiner Untergebenen herumgetrampelt bin, dann wurde mir schwummrig. Mit letzter Kraft schleppte ich mich zu einem leeren Sessel, dann … nichts mehr. Schwarz.

Als ich wieder zu mir kam, sah ich als erstes vier vor Schreck weit aufgerissene Augen (der Fisch war natürlich nirgends zu sehen!).

Kurz später kam eine seltsame Frau, die mir wehgetan hat.
Ich erholte mich langsam, aber richtig gut ging es mir nicht.

Ich war immer eher … naja, breitschultrig. Ich hatte ja auch ein wildes Leben hinter mir, habe mich an den wüstesten Plätzen der Stadt herumgetrieben und dabei nicht immer auf meine Ernährung geachtet. In meinem neuen Reich wurde ich zwar gut versorgt und hatte die Chance, gesund abzunehmen. Doch dann plötzlich, fast über Nacht, war ich nur noch Fell und Knochen.

Jetzt muss ich eingestehen, dass ich ein sehr eigenwilliger Geselle bin. Ich verlasse die Wohnung, mein Reich, nur zu Fuß oder – im allerhöchsten Notfall – auf der Schulter meiner Untergebenen. Niemals jedoch in diesem unwürdigen Transportkorb.
Da wehre ich mich mit Pfoten und Krallen, wie meine beiden Bediensteten schon des Öfteren leidvoll erfahren mussten. Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit „Er gewöhnt sich schon dran!“ – Ich bin doch nicht blöd! Wenn ich nein sage, dann ist es nein!
Das heißt, eine Tierärztin aufzusuchen ist kein Problem – aber bitte ohne mich! So auch in diesem Fall.

Immer wieder hörte ich mein Personal telefonieren, belauschte Gespräche, deren Inhalt mich nicht sonderlich erbaute, und spürte die Traurigkeit und vor allem auch die Ratlosigkeit meiner Untergebenen.

„Diabetes“, dieses Wort, das mir damals noch völlig unbekannt war, schwirrte immer wieder herum. Und: „Wir brauchen jemanden, der sich auskennt!“ Die beiden taten ihr Bestes, durchforsteten – in ihrer Arbeitszeit, aber ich sehe es ihnen nach – das Internetz. Nur um festzustellen: Es gibt keine Unterstützung. Niemand kennt sich aus.

Doch eines Tages kam die kleinere der beiden nach Hause. „Ich habe einen Tipp bekommen, vielleicht kann diese Tierärztin uns helfen! Sie arbeitet auch mit Homöopathie und meine Freundin ist schwer begeistert von ihr. Ihren Kater hat sie gerettet!“

Noch am gleichen Tag wurde wieder einmal das Internetz bemüht, die beiden schrieben der Ärztin eine Emil, oder wie das heißt.
Und am nächsten Tag schon kam ein Anruf von ihr.

Lange Zeit dachte ich, diese Frau, die die beiden „Ärztin“ nennen, sei so etwas wie der Heilige Geist. Ich habe immer nur von ihr gehört, sie aber nie gesehen. Jedoch rief sie jeden Tag an, ließ sich meine Blutwerte geben, fragte nach und gab den beiden gute Tipps. Die beiden verbrachten so viel Zeit am Telefon mit ihr, dass ich schon überlegte, ihr Gehalt zu kürzen – bis mir einfiel, dass sie gar keines bekommen.

Wir bekamen ein neues Messgerät, das wesentlich weniger unangenehm ist als das alte und endlich wurden meine Blutwerte einigermaßen besser.
Einigermaßen deswegen, weil es trotz aller Liebe, Pflege und Fürsorge ein ständiges Auf und Ab war.
Doch unsere Frau Doktor Schicho gab nicht auf.
Immer neue Tricks und Ideen zauberte sie aus ihrem Hut.

Und endlich, im Winter, war es dann soweit. Ich durfte sie persönlich kennenlernen!
Sie war genau so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Nicht, dass ich mich nicht geziert hätte, als sie versuchte, mich zu pieksen!
Ich habe sie fast aufgefressen – aber auf liebevolle Art und Weise! Ich habe ihr nicht einmal einen Arm abgebissen!

Und schließlich, nach Monaten der intensiven Betreuung war es geschafft: Meine Blutwerte können sich sehen lassen!

Trotzdem ruft die Frau Doktor immer wieder einmal an und fragt nach, ob es uns gut geht.
Sie ist einfach der absolute Hammer, und ich habe mir schon überlegt, ob ich sie nicht abwerben und ebenfalls zu meiner Untergebenen machen soll. Was sagt ihr? Zu viel der Ehre? Nein, sie ist es wert!

Also, Kollegen: Wenn es euch ebenfalls einmal nicht gut geht (was ich euch nicht wünsche!), dann sucht nicht lange herum, sondern nehmt gleich die beste von allen! Und wenn ihr lieb schnurrt, verrate ich euch sogar ihre Adresse!

Euer Bernhard von Purr,
wieder in seiner ganzen Kraft und Herrlichkeit

P.S.: Liebe Freundin von meiner kleinen Untergebenen – vielen Dank für den Tipp! Damit hast du mir das Leben gerettet :)

Und weil ich nicht so bin, gebe ich euch gleich hier die Kontaktdaten.
Wer weiß, vielleicht rettet es einem von euch Mitschnurrern auch das Leben!

Dr. Ulrike Schicho
Goldschlagstraße 121
1150 Wien

Tel./Fax: +43 (0) 1 – 982 71 96
Notrufnummer (außerhalb der Öffnungszeiten)
+43 (0) 699 – 101 27 458

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