Vor gar nicht all zu langer Zeit hatte jemand den Gedanken, dass, wenn Omas Essen das beste ist, man diese doch kochen lassen sollte. Aus diesem Gedanken entstand – über den Umweg eines Pop-Up-Stores – die „Vollpension“. Der Name ist Programm. Nicht nur sind die dort werkenden Damen großteils in Pension, sondern das Lokal ist auch meistens voll.

So scheitern wir auch jämmerlich bei unserem ersten Versuch, das Lokal, das derzeit in aller Munde ist, zu testen:
als wir mit knurrenden Mägen und voller Vorfreude die Großmütter stürmen wollen, sind selbst die Stehplätze schon Mangelware.
Auf flauschigen Fauteuils und kuschelig knarrenden Kanapees tummelt sich eine Menge aus Menschen aller Art.
Junggebliebene Omas, die sich selber das Kochen ersparen wollen, Studenten, Menschen im Businessoutfit, Bobos, Hipsters und einfach ganz normale Leute bevölkern das gar nicht so kleine Lokal.

Wenn jedoch der Hunger plagt und die Neugier eine nicht rasten lässt, dann muss es eben sein:
schon zwei Tage später, same time, same station. Aber diesmal um einen Tick cleverer.
Denn mittlerweile hat die blubbberin sich schlau gemacht und weiß, dass es bei den Omas üblich ist, sich den Tisch mit Fremden zu teilen. So weit, so gut.
Meine liebe Bekannte Nelly wartet schon auf mich, und nach einer wortreichen Begrüßung versinke ich in einem Sofa – wörtlich! Wie ich hier ohne fremde Hilfe wieder herauskommen soll, erschließt sich mir nicht – aber derzeit steht mir der Sinn ohnehin nicht nach Flucht. Nelly startet zur Bar und kommt kurz darauf mit einem Riesenhumpen Traubensaft und einem Bild von einem Fußballer wieder. „Die bekommt man hier als Platzhalter!“, erklärt sie. „Die Dressen haben Nummern, und danach wird das Essen zugeteilt!“
Auch nicht blöd, denke ich, während sie mich liebenswerterweise aus dem Sofa hievt, so dass auch ich meinem Fressdrang freien Lauf lassen kann. Auf halber Strecke zum Futtertrog kommt mir eine fesche ältere Dame mit Nellys Suppe entgegen – na, das geht ja schnell!
Ich sabbere bei dem Anblick der schokoladigen und fruchtigen Kuchen und cremigen Torten, und entscheide mich schließlich für das kleinste Teil, das ich finden kann: eine flache Himbeertorte mit Mürbteigboden. Dazu einen Cafe Latte, zubereitet von einem weder älteren noch weiblichen, dafür aber ebenfalls sehr charmanten Wesen. Den Kuchen dazu – ein Riesenstück  mit Schlagobers! – reicht mir die „Oma“.
Ich grinse. „Ich hab mir den unten ausgesucht, weil er nicht ganz so groß ist!“
Sie grinst zurück. „Und ich hab mir gedacht, Sie können den großen sicher auch vertragen –  ich weiß ja, wie das ist, wenn’s schmeckt!“
Das flauschig-warme Gefühl in meinem Inneren kommt (noch) nicht vom Kaffee, sondern von der herzlichen Wärme, die hier ausgestrahlt wird.

Dass Kaffee und Kuchen wirklich schmecken wie damals bei Oma, ist eine nicht abzustreitende Tatsache.
Man muss sich in dem Lokal mit dem Siebziger-Flair, den Oma-Sesseln und der schrägen Wanddeko einfach wohlfühlen, und selbst wenn man nicht das sozialste Wesen ist, sind die Fremden am Tisch keine Belästigung, sondern State-of-the-Art. Es passt einfach.

Zum Essen kann man nur so viel sagen: es ist nicht nur reichlich, sondern auch täglich frisch gekocht. Eine fixe Speisekarte gibt es nicht, dafür aber jeden Tag andere Lieblingsgerichte. Dazu Kuchen, Torten, Kaffee und Getränke aller Art. Und man möchte am liebsten jeden Tag hingehen, den Damen dabei zusehen, wie sie die neonbeleuchteten Backöfen von der Decke ziehen, ihre Kuchen herausnehmen und dekorieren – und nicht zuletzt das unglaublich schmackhafte Essen genießen.

Dass die Ladies gerne dort arbeiten und – egal ob jung oder reifer – durch die Bank freundlich und fröhlich sind, rundet das „Daham“-Gefühl noch ab.

Vollpension von außen

Kontakt:

Vollpension
Schleifmühlgasse 16
1040 Wien
Telefon: 01 5850 464
Mail: info@vollpense.at
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