Kratz mich, beiß mich, gib mir wilde Tiernamen …
oder: meine Reise durch die Welt des S/M


Sie werden sich sicher fragen: wie zum Geier kommt eine Katze zu S/M? Aber sind wir mal ehrlich: kennen Sie eine Katze? Wenn ja, wie gut? Ein Tipp von mir: lernen Sie sie besser kennen und Sie werden verstehen, was wir Katzen und Kater mit S/M zu tun haben.

Da Sie jedoch möglicherweise an einer Katzenallergie leiden oder dem starken Willen einer Katze nicht gewachsen sind, bin ich bereit, es Ihnen hier und jetzt zu erklären. Setzen Sie sich hin, lehnen Sie sich zurück — alternativ kannst du auch niederknien, Sklave! — lauschen und staunen Sie.

Alles begann damit, dass ich immer wieder über den Begriff S/M gestolpert war. Genau hatte ich aber nicht verstanden, was dieses S/M bedeuten soll — steht das für Schnurr/Maunz? Also beschloss ich, mich schlau zu machen und landete, wie Sie vermutlich auch, bei 50 Shades of Grey.

Als wohlgeformter Kater, der alle Schattierungen von Grau in seinem glänzenden Fell hat, bin ich ja quasi der Prototyp von Mr. Grey aus dem gleichnamigen Buch. Daher dachte ich mir, das kann so schlecht nicht sein. Nach etwa 50 Seiten war mir klar: doch, kann es!

Aufgrund dessen habe ich mir erlaubt, weitere Recherchen zum Schnurr/Maunz-Thema anzustellen. Dabei hat mir unter anderem das Buch von Contessa Juliette „Der Engel mit der Peitsche“ beste Dienste geleistet. Es mag peinlich sein für einen gestandenen Kater wie mich, aber bei der einen oder anderen Geschichte haben sich die Haare in meinem Nacken um die Stehplätze gerauft.

Jedenfalls wusste ich dann: S/M ≠ Schnurr/Maunz. Auch nicht Schnurr/Miau, was mein zweiter Tipp war. S/M oder eigentlich besser BDSM ist eine Abkürzung für Bondage & Disziplin, Dominanz & Submission, Sadismus & Masochismus.

So weit so gut. Und nun kommt’s: ja, wir Katzen sind BDSM-Experten. Als würdiger Vertreter meiner Rasse kann ich Ihnen sagen: da geht einiges ab, vom In-den-Nacken-Beißen bis zu der mitunter unangebracht heftigen Gegenwehr unserer Damen, die sich schon mal unter massivem Kralleneinsatz an unseren empfindlichen Nasen vergehen.
Und: ja, wir geben einander auch Tiernamen, was jedoch daran liegen könnte, dass wir… ähm … Tiere sind!

Die Kunst des Peitschens ist auch etwas, das uns Katzen im Blut liegt. Wofür sonst haben wir diese wunderbaren buschigen Schwänze! Leider ist dieses tolle Werkzeug am falschen Ende unseres Körpers angewachsen, daher ist es nicht immer leicht, das richtige Ziel zu treffen. Mittlerweile beherrsche ich jedoch perfekt die Kunst, nur mit der Schwanzspitze ein Weinglas vom Tisch zu peitschen. Oder die Fernbedienung. Oder ein Feuerzeug. Also eigentlich alles. Nur nicht Essen, das esse ich.

Auch die Demütigungen liegen uns im Blut; nur gut, dass unsere Dosenöffner das nicht immer mitbekommen — sind sie ja nicht der Schlauesten welche! Wie oft habe ich meine Dosenöffnerin schon angeherrscht, wenn die mal wieder ewig lange herumgetrödelt hat anstatt das Futter rüberwachsen zu lassen! „Mieses Despotenweib“ war da noch das Harmloseste, das ich ihr an den Kopf geworfen habe.
Und die tägliche Demütigung, sie mein Klo putzen zu lassen und es, sobald sie damit fertig ist, gleich wieder zu beschmutzen – herrlich!

Was einem Kater wie mir ebenfalls höllische Freude bereitet: der Dosenöffnerin die Krallen in empfindliche Körperteile zu rammen, idealerweise unter dem Vorwand, Milch zu treten und zu genießen, denn dann wehren sie sich am wenigsten! Die Augen zu kleinen Schlitzen verengt, schnurren und dann: Krallen —  GO! Am liebsten dort, wo die Haut ganz zart und weich ist. Sie quietschen dann so schön, und sie bringen es selten übers Herz, mich weg zu schubsen, weil ich „so lieb“ bin. Ha, wenn die wüssten!

Üblicherweise werden meine Bemühungen dann auch noch mit ein paar Leckerbissen oder einem Schluck Milch belohnt, weil sie so ein schlechtes Gewissen haben, mich abzuschieben.

Und des Morgens erst! Zugegebenermaßen bin ich so hungrig nicht, aber ihre verschlafenen Augen und ihren verwirrten Blick zu sehen, wenn ich ihnen das erste Mal den Kopf gegen die Nase ramme, unter dem Vorwand, sie lieb zu haben, ist einfach einen Anblick wert! Was für Menschen ein schöner Sonnenaufgang ist, ist für mich der Moment, in dem sie bemerken, dass sie wach sind — obwohl Sonntag ist und sie noch Stunden schlafen könnten!

Ein kleiner zusätzlicher Bonus ist es, wenn sie es wieder einmal nicht schaffen, rechtzeitig zu bremsen, wenn ich mich vor ihnen querstelle. Diese Taktik würde ich allerdings nur Katzen anraten, die über naja, ein gewisses Format verfügen, denn ich habe schon von Artgenossen gehört, die bei dieser Technik einmal quer durchs Zimmer gesegelt sind und mit der Nase an der Wand gebremst haben.
Size matters, sage ich immer!

Last but not least: ich bin immer oben! Niemals werden Sie von mir sehen, dass  meine Dosenöffnerinnen beim Kuscheln oben sind, niemals! Es funktioniert grundsätzlich so: Dosenöffnerin eins oder Dosenöffnerin zwei – welche ist mir eigentlich egal – liegt auf der Couch oder dem Fernsehsessel, wahlweise auch im Bett, und versucht fernzusehen, zu lesen oder einer anderen vollkommen sinnlosen Tätigkeit nachzugehen. Kater hüpft auf Couch / Sessel / Bett, trampelt schnell – damit sich das Opfer nicht wehren kann – auf die Dosenöffnerin drauf und lässt sich mit Nachdruck fallen. Dann schnell schnurren und schon wird man gekrault – wenn auch nie so richtig gut – und mit Kosenamen und Liebesbekundungen zugeschüttet.

Mein Fazit zu der ganzen BDSM-Geschichte lautet hiermit: solange ich der Meister bin, der Herr im Haus, der Top, spiele ich gerne mit! Die Sub-Rolle oder der masochistische Part passen leider so gar nicht zu meinem Lebensstil.
Aber dafür gibt’s ja Menschen.  Und somit ist meine Katzenwelt in Ordnung.