Erfolgsfaktor Sprache

Erfolgsfaktor Sprache – warum’s ned wurscht ist!

Pacfish Logo das richtige

Vor einiger Zeit war ich auf der Suche nach günstigen bedruckbaren Kugelschreibern. Im Netz.
Nach etlichen fruchtlosen Versuchen bin ich auf eine Seite gestoßen, die wirklich eine große Auswahl bot, vom Material her wie auch von der Farbauswahl. Meine kurz aufflammende Begeisterung wurde aber sehr schnell gedämpft: ich habe, trotz intensiven Suchens, keinen einzigen geraden Satz gefunden auf dieser Seite.

Und damit war mein Misstrauen geweckt: wenn jemand sich nicht einmal die Mühe macht, mich richtig zu adressieren, wie kann ich erwarten, dass sonstige Leistungen wie Kundenservice gegeben sind? Ist diese Seite überhaupt real, oder vielleicht nur eine Internetabzocke für Blöde?
Langer Rede kurzer Sinn: die Kugelschreiber wurden – um einiges teurer, aber mit einem besseren Gefühl – von einer anderen Quelle bezogen.

Als Übersetzerin und Texterin bin ich natürlich voreingenommen – für mich ist Sprache etwas sehr Wichtiges. Das beginnt bei korrekter Rechtschreibung und Grammatik und hört bei einem schönen Stil auf. Natürlich, letzterer ist auch Geschmackssache.

Ich mag es, wenn sich jemand gut ausdrücken kann. Ich lese gerne Bücher und Texte, die in mir Emotionen erwecken. Ich liebe bestimmte Akzente und manche Dialekte machen mich ganz wuschig. Ich finde es sexy, wenn jemand mehr als nur eine Sprache beherrscht. Und last but not least: eine schöne Handschrift finde ich irgendwie auch scharf.

Das Spiel mit der Sprache, das Spielen mit Worten ist auch etwas, womit ich mich gerne und ausgiebig beschäftige. Neue Worte oder Wortkombinationen kreieren, einen Unternehmensnamen erfinden, an einem Slogan tüfteln – damit könnte und kann ich mich stundenlang beschäftigen.

Wie schon anfangs erwähnt: ich bin durch meine Ausbildung und meinen beruflichen Werdegang mit Sicherheit voreingenommen. Für mich ist das Beherrschen und Ausüben einer Sprache ein Handwerk – ganz besonders dann, wenn es um das Übersetzen oder Dolmetschen aus einer Sprache in die andere geht.

Umso mehr verwundert es mich, dass ich damit oft alleine auf weiter Flur bin. Da wird mal schnell ein Text hin gekritzelt, der nur so vor Rechtschreibfehlern strotzt – aber nicht nur in einer SMS oder WhatsApp Nachricht, sondern auch auf der Webseite des eigenen Unternehmens oder in einer Aussendung.

Ein anderes Übel: man liest einen inhaltlich wirklich ansprechenden Blog und dann wird das Leseerlebnis von den Grammatikfehlern, die den Leser/die Leserin regelrecht anspringen und am Krawattl packen, beeinträchtigt oder gar zerstört.
Ich persönlich lese hier nur bis zu einer gewissen Schmerzgrenze.

Ebenso wenig bin ich begeistert, wenn ich einen Text lese – meist fällt mir das bei Blogs auf – und es gibt keinen wirklichen Aufbau. Es wird einfach geschrieben und am Ende bleibt nichts als ein Gefühl der Leere, weil ich vergeblich eine Aussage, ein Fazit oder irgendetwas anderes suche, das mich emotional befriedigt zurücklässt. Gerade das kann im beruflichen Umfeld zu einem großen Problem werden und auch Geld kosten: denn wenn niemand versteht, was du tust, wird dich auch niemand beauftragen.

Viele Unternehmer und Selbständige vergessen, dass nicht nur der Unternehmensname, das Logo und die Visitenkarte, sondern auch die Sprache eines der Aushängeschilder eines Unternehmens ist. Sie ist ein ganz wichtiger Touchpoint und macht einen nicht unbeträchtlichen Teil der Corporate Identity aus. Dabei geht’s gar nicht um Perfektionismus (den ich in dieser Hinsicht habe, den aber natürlich nicht jeder teilen muss), sondern um ein schönes Gesamtbild.

Es wirkt einfach nicht professionell, wenn sich die Rechtschreibfehler mit den Grammatikfehlern um die Stehplätze raufen. Zumal dies nicht nötig ist: Die Word Rechtschreib- und Grammatikprüfung mag nicht das Gelbe vom Ei sein, aber in vielen Fällen würde sie zumindest den Schaden von einem Totalcrash auf ein blaues Auge reduzieren.

Natürlich frage ich mich dann immer wieder: „Wieso hast du nicht einen Texter beauftragt?“ Oder einen Übersetzer, wenn es z.B. um die englische Version einer Webseite geht. Klar, das kostet Geld – aber ein professioneller Text und eine professionelle Übersetzung von jemandem, der sich tagtäglich mit Sprache auseinander setzt, ist das Geld auch wert.
Außerdem – unterm Strich spielt sich die Ausgabe relativ rasch wieder herein.

Wer kennt das nicht, den amüsierten Blick auf eine italienische oder englische Webseite, auf der es eine „deutshe version“ gibt. Man kann zwischen den Zeilen den Google-Translator lauthals herauslachen hören, und tut meist selbst das Gleiche. Trotzdem neigen viele dazu, bei den eigenen Texten eine Ausnahme zu machen – weil sie es ja eh können.

Ich höre dann oft: Na bitte, das ist ja meine Muttersprache. – Eh. Aber nur weil es deine Muttersprache ist, heißt das nicht automatisch, dass du sie auch korrekt und sinnvoll einsetzt. Noch schlimmer ist es, wenn es sich um einen englischen Text oder eine Übersetzung handelt: Ich hab ja eh acht Jahre Englisch in der Schule gehabt. – Ja eh. Ich hab auch zwölf Jahre Mathe gehabt, aber deswegen bin ich noch lang kein Buchhalter. Und mit meinem Laptop kann ich auch umgehen, aber programmieren kann ich deswegen noch lange nicht.

Ein köstliches Beispiel einer weniger gelungenen Übersetzung findest du übrigens unter meinem Betrag, gefunden auf einer Fähre im Mittelmeer.

Ein lieber Freund und Kollege hat es so beschrieben: wenn du einen englischen Text schreibst, weil du ja eh Englisch kannst, ohne dich wirklich mit der Sprache und der Kultur auseinander gesetzt zu haben, dann ist das so, als würdest du in einen Dark Room gehen und aufs Beste hoffen.

In diesem Sinne haben wir eine Vorankündigung zu machen: Wir möchten euch den Erfolgsfaktor Sprache näher bringen – bei unserem 2. Netz-Wörk-Shop am 24. November um 18 Uhr in der Sprachfactory, Wienzeile 4/1/1, 1060 Wien.

Details folgen in Kürze. Was wir euch jetzt schon sagen können: Wir werden euch natürlich nicht nur mit Theorie überschütten, sondern haben viele praktische und interessante Übungen und Beispiele auf Deutsch und Englisch für euch vorbereitet. Und wir zeigen euch auch, wie man mit ein wenig Übung Texte ansprechend gestalten kann und welche Klippen man tunlichst umschiffen sollte.

Hinweistafel auf der Fähre nach Giglio, Italien (c) Monika Lexa

Hinweistafel auf der Fähre nach Giglio, Italien
(c) Monika Lexa